Wenn es in der Schule nicht gut läuft, können auch Hörprobleme die Ursache sein – ein Hörtest für Schulkinder und Jugendliche beim Hörakustiker gibt Aufschluss

Auch in Zeiten von Homeschooling, Fernunterricht und Diskussionen um Schulschließung oder Präsenzunterricht sind die Zusammenhänge von schulischen Leistungen und gutem Hören ein eminent wichtiges Thema. Forscher gehen davon aus, dass betroffene Kinder auch bei geringen Hörminderungen von zusätzlicher Unterstützung profitieren würden und empfehlen, Schüler mit Lernschwierigkeiten unklarer Ursache auch bezüglich ihres Gehörs zu untersuchen.

Regelmäßige Hörtests auch für Kinder und Jugendliche – gutes Hören ist von Geburt an Voraussetzung für eine ungehinderte Entwicklung der sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten.

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FGH, 2021 – Die Zusammenhänge von schulischen Leistungen und gutem Hören zählten auch schon vor der Pandemie nicht zu den ersten Themen, wenn in Familien und in Elterngesprächen mit der Schule die Zeugnisse besprochen werden. Grund genug, neben Homeschooling, Fernunterricht und den Diskussionen um Schulschließung oder Präsenzunterricht auch dieses wichtige Thema auf die Agenda zu setzen und im Blick zu behalten. 
Denn neben vielen möglichen emotionalen und verhaltensbezogenen Entwicklungsstörungen kann auch das Hörvermögen eines Kindes gemindert sein. Das ist noch nicht einmal so selten, wie oft angenommen. Bei etwa 80% der Vorschulkinder treten erkältungsbedingte Mittelohrprobleme (Paukenerguss) auf, die mit einem Hörverlust von 20 bis 30 Dezibel einhergehen und häufig unerkannt bleiben, weil sie nicht wehtun. Wenn solche Hörstörungen länger anhalten oder wiederholt auftreten, kann das Auswirkungen auf die Hörentwicklung haben, berichten Wissenschaftler der Jade Hochschule*. 
Doch auch bei geringfügig ausgeprägten Hörminderungen unter 25 Dezibel, die nicht als klinisch relevant gelten, sind negative Effekte auf schulische Leistungen sowie allgemeine Verhaltensprobleme nachweisbar, wie eine niederländische Studie** belegt. Die Forscher gehen davon aus, dass betroffene Kinder auch bei geringen Ausprägungen von zusätzlicher Unterstützung profitieren würden und empfehlen, Schüler mit Lernschwierigkeiten unklarer Ursache auch bezüglich ihres Gehörs zu untersuchen.
Bereits im vorschulischen Alter ist gutes Hören Grundvoraussetzung für eine ungehinderte Lernentwicklung. Die Herausbildung der sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten ist von Geburt an eng mit einem funktionierenden Hörsinn verbunden. Hört ein Kind nicht gut, bleibt es auf vielen Entwicklungsfeldern hinter den Gleichaltrigen zurück. In der Schule wirken sich diese Defizite nachteilig aus, wenn es darum geht, die Lehrer zu hören und zu verstehen. Hinzu kommt eine oft ungünstige Raumakustik in vielen Klassenräumen, die Konzentration und Verständigung von Lehrern und Schülern zu einer permanenten Herausforderung machen kann. 
Für den Lernerfolg ist es wichtig, dass sich Kinder im Unterricht an Lernspielen, Gruppenarbeiten und Diskussionen beteiligen und mit eigenen Beiträgen zu Wort melden. Doch gerade in diesen komplexen, vielstimmigen Situationen haben es junge Menschen mit Hörschwäche besonders schwer, am Geschehen teilzunehmen, da sie das Gesagte meist nur lückenhaft erfassen und verarbeiten können. Durch fehlende Hörinformationen schweifen die Gedanken ab und die Konzentration leidet. Nicht selten werden mangelnde Aufmerk-samkeit und fehlende Beteiligung am Unterricht mit schlechter Leistung gleichgesetzt. Die betroffenen Kinder ziehen sich dann zurück und werden im Klassenverbund unter Umständen sogar isoliert.
Vermeiden lassen sich solche Fehlentwicklungen durch rechtzeitige und regelmäßige Hörtests. Während bei den Klein- und Vorschulkindern durch die Regeluntersuchungen (Neugeborenenhörscreening, Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt, schulärztliche Untersuchung) der Hörstatus regelmäßig kontrolliert wird, gerät bei Schulkindern und Jugendlichen die routinemäßige Überprüfung der Hörleistung schnell aus dem gesund-heitlichen Blickfeld, was später auch für viele Erwachsene zutrifft. In jedem Alter kann das Gehör durch Infektionskrankheiten, übermäßige Schalleinwirkung oder andere Einflüsse geschädigt werden. Gerade die anfangs leichten Beeinträchtigungen bleiben meistens unbemerkt, da sie zunächst kompensiert und durch Gewöhnungseffekte verdeckt werden. Dennoch wirken sie sich zunehmend negativ auf Konzentration und Aufmerksamkeit aus. 
Regelmäßige Hörtests, die von Hörakustikern kostenlos durchgeführt werden, sollten grundsätzlich zur persönlichen gesundheitlichen Vorsorge zählen. Besonders wichtig bei Kindern: sie hören noch nicht wie Erwachsene, da sie in ihrer Entwicklung das Erkennen und Zuordnen von Geräuschen erst noch lernen müssen. Deshalb wenden Hörakustiker hier spezielle Testverfahren (Hören im Störschall, Sprachtests) an. Wird eine Hörminderung festgestellt, lässt sich diese durch die Anpassung auch kindgerechter Hörsysteme ausgleichen. Hörgeräte verbessern insbesondere das Sprachverstehen, so dass Lern- und Entwicklungshemmnisse in diesem Zusammenhang erst gar nicht auftreten. Hörtests auch für Kinder und Jugendliche bieten die Mitgliedsakustiker der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) kostenlos an. Die FGH-Partner sind deutschlandweit zu erkennen am Ohrbogen mit dem Punkt und zu finden unter www.fgh-info.de. 

Quellen:

* Jade Hochschule: idw-online.de/en/news702434


** JAMA Otolaryngology: https://jamanetwork.com/journals/jamaotolaryngology/fullarticle/2756217

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Verwendung und Nachdruck des Textes honorarfrei mit Quellennachweis: "FGH"
 

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